K e i k o K o a n a

Ulrich Fernkorn

Die aus Japan stammende Keiko Koana (geb. 1979 in Tokio) hat ihre künstlerische Ausbildung sowohl in ihrem Heimatland wie in Deutschland erhalten: Nach einem Studium der Freien Kunst in Japan hat sie als Gaststudentin bei Siegfried Anzinger an der Kunstakademie Düsseldorf und ab 2004 an der Kunstakademie Münster studiert, zunächst in der Klasse von Ulrich Erben und seit 2006 als Schülerin von Suchan Kinoshita.

Ähnlich wie die künstlerische Biographie ist auch die Malerei von Keiko Koana sowohl durch europäische wie asiatische Einflüsse geprägt und enthält gegensätzliche Bestimmungen: Bei den für ihr Schaffen der letzten Jahre typischen Bildern, welche zumeist von eher kleinem Format sind, aber mitunter auch erhebliche Größe aufweisen können, handelt es sich um in traditioneller japanischer Technik ausgeführte Papier überspannte Holzkästen. Auf diese trägt die Künstlerin - oft mit einem Lineal anstelle eines Pinsels - dünnflüssige Aquarell- bzw. Acrylfarben auf. Ohne Vorzeichnungen oder sonstwie vorgefasste Konzepte lässt sich Keiko Kaona vor allem von den Eigenschaften und Zufälligkeiten des auf überwiegend zwei Töne beschränkten Farbverlaufs überraschen. Man sieht den fertigen Bildern an, dass sie auch für die Künstlerin selbst voller Überraschungen stecken und im Endergebnis jeweils – gerade was Details angeht - kaum vorhersehbar sind.

Der Herstellungsprozess der Bilder von Keiko Koana vollzieht sich zwar selbstverständlich nicht völlig ungeregelt, aber er ist doch eben nur maßvoll vom Willen der Künstlerin abhängig. Dieser Tatsache entspricht es, dass ihre Werke weniger gemacht als vielmehr wie von selbst entstanden scheinen oder auch - mit anderen Worten - naturhaft gewachsen.

Einen solchen Eindruck legen Koanas Bilder auch motivisch nahe. Denn die hier klar begrenzten und dort ins Diffuse verschwimmenden, horizontal gerichteten Farbverläufe und Raum schaffenden Schichtungen, in denen Leere und Dichte einander abwechseln, erzeugen unweigerlich landschaftliche Assoziationen: Man kann und soll angesichts von Koanas Bildern meinen, tiefenräumlich gestaffelte, bis ins Unendliche reichende Landschaftsgründe von hoher Suggestivität zu sehen, in denen völlig ungegenständliche und scheinbar gegenständliche Passagen für unser Auge wechselseitig ineinander übergehen.

Auch wenn Keiko Koanas Bilder keine bestimmten Orte in der Wirklichkeit spiegeln, existieren sie deswegen nicht jenseits aller Zeit. Ganz im Gegenteil: Indem die Malerei in ihren mal aus dem Papiergrund sanft hervorleuchtenden und mal in ihn fast zurücksinkenden Tonnuancen von äußerster Zurückhaltung geprägt erscheint, wirken auch die von ihr ausgehenden Landschaftseindrücke wie eben erst im Entstehen begriffen oder auch in der Gefahr, gleich wieder zu verschwinden. Eben dadurch wie ebenso durch den beständigen Übergang des Ungegenständlichen ins Gegenständliche und umgekehrt kommt das Landschaftliche bei Keiko Koana statt zeitenthoben vollends zeiterfüllt zur Geltung, nichts ist ein für allemal gegeben, alles vollzieht sich vielmehr im Angesicht der Bilder immer wieder neu.

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