K e i k o K o a n a

Prof. Dr. Ferdinand Ullrich - Ist es nur natürlich geworden oder so von Menschenhand gemacht?

Die Tuschemalerei von Keiko Koana könnte auf den ersten Blick auch eine Zufallskonstellation aus dem Reich der Natur sein, die auf Grund ihrer eigenen Gesetzmäßigkeiten durchaus auch eine eigene Naturschönheit hervorzubringen vermag. Von
Zufall spricht man an dieser Stelle gerne. Dass es keine umfassende Planung in Form von Vorzeichnungen oder Konzepten gibt, liegt in der Natur der Aquarell und Tuschemalerei. Die Farbe fließt über die Bildfläche mit nur einer geschränkten Einflussmöglichkeit. Das macht ihren Reiz aus. Sie ist extrem dünnflüssig, was zu dem bewirkt, dass der Bilduntergrund immer auch als Bestandteil der Bildkomposition berücksichtigt werden muss. Der weiße Bildgrund des Aquarellpapiers ist der Seinsgrund dieser Malerei, die damit nicht zudeckt, sondern uns im wahrsten Sinne des Wortes die Welt in ihrer Transparenz erhält. Völlig unangestrengt erscheint uns dennoch die Malerei, die nichts weniger will, als eine
Beziehung von Natur und Mensch zu schaffen, die den gemeinsamen Ursprung aus der Natur zur Grundlage hat.

Flüchtigkeit des malerischen Eindrucks, Schnelligkeit des malerischen Zugriffs, die Zufälligkeit der Strukturen - alles dies vereint sich zu einem Gesamtklang großer Harmonie,
die gleichsam ohne sichtbare Spuren einem individuellen Malkonzept entspringt. Es geht also darum, eine Malerei zu konstituieren, die den Eindruck erweckt, als sei sie vollständig natürlich und zufällig entstanden. Der Betrachter hätte die eigenmächtige Schönheit dieser Formation in der Unüberschaubarkeit der äußeren Natur ebenso lediglich
zufällig entdeckt. Dies kann man durchaus als eine Haltung der Demut gegenüber der Natur und ihren Gesetzen betrachten und mag damit der ostasiatischen Herkunft der Künstlerin
entsprechen. Ihre Leistung ist es, und die Naturschönheit im Lichte der Kunstschönheit zu offenbaren oder umgekehrt: die Kunstschönheit als Teil der Naturschönheit.

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